13.07.2017

Bots, Fakes und Trolle – Müssen wir politische Willensbildung neu denken?

Der Landesmusikschulbeirat ist immer wieder zu gesellschaftlichen und politischen Veranstaltungen eingeladen. Präsidiumsmitglied Dr. Tasneem Kaufmann berichtet hier über ihre Teilnahme am "Foyer liberal" am 1. Juli 2017.


Unter diesem Titel stand eine Veranstaltung der FDP/DVP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg am 1.7.2017. Nach der Begrüßung durch den Fraktionsvorsitzenden Hans-Ulrich Rülke moderierte Fraktionsmitglied Tim Kern eine Podiumsdiskussion mit Konstantin Fleming, Martin Fuchs, Sebastian Nerz, Ann-Kathrin Riedel und Karolin Schwarz über den Einfluss des Internets und der sozialen Medien auf die Meinungs- und Willensbildung.

Social Bots sind Programme, welche in Foren und sozialen Medien eingesetzt werden, um die Meinung der Nutzer dieser Plattformen zu beeinflussen. Mit ihrer Hilfe können massenhaft Nachrichten verfasst werden, welche aussehen wie Nachrichten, die von regulären Nutzern dieser Plattformen verfasst sind. Beispielsweise kann durch viele positive Bewertungen eines Produkts die Kaufquote erhöht werden. Neuerdings werden die Bots auch zur politischen Meinungsbildung auf Plattformen wie Facebook und Twitter genutzt, welche immer intensiver für politische Diskussionen genutzt werden. Dabei können sie zur Verbreitung bestimmter politischer Ansichten, aber auch zur Verleumdung einer Gegenpartei eingesetzt werden.

Der Begriff Fake News wurde erst während des letzten US-Wahlkampfes allgemein bekannt und bezeichnet falsche (über das Internet verbreitete) Inhalte. Dabei umfasst er absichtlich gefälschte wie auch ungenau wiedergegebene Inhalte. Grundlage dieses Phänomens ist die hohe Verbreitungsgeschwindigkeit von Nachrichten in sozialen Medien, wo Nachrichten ohne großen Aufwand verfasst und an eine große Gruppe von Personen weitergeleitet werden können.

Trolle sind Nutzer im Internet, welche absichtlich falsche oder irreführende Nachrichten in Foren und sozialen Medien verfassen. Dies führt dazu, dass Diskussionen auf Abwege geraten, oder weniger gut informierte Nutzer falsche Inhalte als wahr betrachten.

Beispiele für solche Manipulation und den Umgang damit wurden lebhaft geschildert und diskutiert, vom kürzlich verabschiedeten Netzwerkdurchsetzungsgesetz über die Anti-Gerüchteküche HOAXmap bis zur aktuellen Auseinandersetzung der Parteien im Landtag. Wie gegen Doping im Sport muss auch im Internet ständig gegen neue Methoden der Meinungsmanipulation angegangen werden, nicht mit schärferen Strafgesetzen, aber u.a. mit Kompetenzaufbau bei Polizei und Justiz und natürlich bei der Bildung der Bevölkerung, wo jeder Nachrichten beurteilen und eine eigene Meinung entwickeln können sollte, so der Tenor der Schlussrunde.


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