16.08.2017

Zweiter Ganztagsgipfel zur Zukunft der Ganztagsschule am 15. Mai 2017

Manuela Afolabi, Mitglied des Landeselternbeirats Baden-Württemberg und Kuratoriumsmitglied des Landesmusikschulbeirats Baden-Württemberg, berichtet vom Zweiten Ganztagsgipfel des Kultusministeriums Baden-Württemberg.


Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann:

 „Wir wollen eine Ganztagsschule von höchster Qualität und größtmöglicher Flexibilität.“

Ein halbes Jahr nach der ersten Gipfelveranstaltung im November 2016 sind die rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Schulleitungen, Lehrer, Eltern, Schüler, außerschulische Partner, Schulträger und Vertreter der Lehrerverbände sowie der Schulverwaltung – im Kultur- und Kongresszentrum „K“ in Kornwestheim erneut zusammengekommen, um über die nächsten Schritte zu beraten.

„Wir wollen eine Ganztagsschule von höchster Qualität, die zugleich den Bedürfnissen der Menschen in unserem Land entspricht“, sagte die Kultusministerin bei der Eröffnung der Veranstaltung. „Die Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder eine sinnvolle, pädagogisch angemessen gestaltete Zeit in der Ganztagsschule verbringen“!

Die Kultusministerin hat nun erstmals Leitlinien für die Weiterentwicklung des Ganztags skizziert. Für die Schülerinnen und Schüler sollen demnach künftig drei Wahlmöglichkeiten bestehen:

  • Zum einen die rhythmisierte Ganztagsschule mit einem ganztägigen, verbindlichen und schulischen Angebot;
  • zum anderen die Schule mit flexiblem (nachmittäglichem) Betreuungsangebot;
  • sowie drittens die Schule mit Unterricht nach Stundentafel (ohne erweitertes Angebot, „Halbtagsschule“).

Die Wahlmöglichkeiten sollen dabei unter bestimmten Voraussetzungen auch an einem Standort nebeneinander bestehen können. Die bisherigen Zeitmodelle – drei oder vier Tage à sieben oder acht Stunden – haben sich bewährt. Sie sollen bestehen bleiben und auch in den weiterführenden Schulen fortgeführt werden, wobei die Besonderheiten der weiterführenden Schulen berücksichtigt werden. Zu Mischklassen, in denen Elemente der Halb- und der Ganztagsschule zugleich angeboten werden, äußerte sich die Ministerin kritisch: „Wir wollen insgesamt ein qualitativ hochwertiges Angebot, das nicht durch Mischung unterschiedlicher Angebote verwässert wird.“

Eisenmann hob die Bedeutung der engen Partnerschaft von Land und Kommunen für den Ganztag hervor. Die bisherige Aufgabenteilung soll auch künftig beibehalten werden: Die Bereitstellung von Betreuungsangeboten bleibt kommunale Aufgabe, die Bereitstellung der schulischen Angebote ist Landessache. Neu ist indes, dass sich das Land innerhalb der schulischen Kernzeiten wieder verstärkt bei der Betreuungsförderung engagieren will. Damit soll dem Elternwunsch nach einem flexiblen Angebot entsprochen werden. Das sogenannte Mittagsband soll dagegen organisatorisch und finanziell in der Verantwortung der Kommunen liegen.

Weitere Anregungen der Teilnehmer des ersten Ganztagsgipfels sollen bei der Reduzierung des Verwaltungsaufwands aufgegriffen werden. So ist geplant, eine „Kooperationsstelle Ganztagsschule“ einzurichten, die die Schulen bei organisatorischen Aufgaben unterstützt. Um die außerschulischen Partner bei der Gestaltung des Schulalltags einer rhythmisierten Ganztagsschule noch besser einbeziehen zu können, soll die Kooperation mit ihnen zeitnah evaluiert werden.

Die vorgestellten Leitlinien bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung des Ganztags. Im Mittelpunkt steht für die Kultusministerin dabei die Orientierung an den Bedürfnissen der Eltern: „Es geht mir nicht um eine staatliche Zwangsbeglückung aller Familien. Wir schreiben den Familien nicht vor, wie sie sich zu organisieren haben. Vielmehr wollen wir dem unterschiedlichen Bedarf im Land gerecht werden“, betonte Eisenmann.

Derzeit besteht bei 1.830 von rund 4.500 öffentlichen allgemein bildenden Schulen in Baden-Württemberg ein Ganztagsangebot (40,6 Prozent); damit besuchten insgesamt 22,8 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2015/16 eine Ganztagsschule. Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, diese Angebote quantitativ und qualitativ auszuweiten.

Zusammenfassung der einzelnen Foren:

Fast alle Foren waren sich einig bei folgenden Punkten:

  • Vertragsbindung über mind. 1 Jahr, für Eltern wie auch für die außerschulischen Partner
  • Qualität der jeweiligen Angebote
  • zusätzlich benötigte Koordinierungsstelle
  • Budgetierung mit flexiblem Betreuungsschlüssel

Allerdings wurden auch auf diverse Problematiken hingewiesen ...

  • Wie werden die Begrifflichkeiten künftig definiert?
  • Wie gestaltet sich die Personalfindung hierfür?
  • Wie geht man mit den parallelen Strukturen der verschiedenen Angebote um?
  • Wie werden Mischklassen organisiert?
  • Wie geht man mit bereits bestehenden Ganztagsschulen in Wahlform um?
  • Wie gestaltet sich die transparente Zuweisung im Falle der Inklusion bzw. der SBBZs?
  • Wie läuft die Verwirklichung der GTS im Bezug auf das Mittagsband?

... sowie diverse Wünsche geäußert.

  • Nach wie vor die freie Wahlform
  • Starthilfe an kleineren Schulen
  • Vertiefung des Fachunterrichts
  • Persönlichkeitsbildende Angebote
  • Außerschulische Lernorte
  • Pädagogisches Konzept
  • Der außerschulische Partner wird als pädagogischer Partner auf Augenhöhe anerkannt
  • Verwaltungs- und Organisationskosten sind im Budget enthalten
  • Lehrkräfte müssen frühzeitig vorbereitet werden (Lehrerarbeitszeitverordnung, Umrechnung Deputate etc.)
  • Aufhebung der Schulpflicht GMS im Mittagsband ab Klasse 7/8 ermöglichen

 

Hinweis:

Die Einzelergebnisse der verschiedenen Foren können hier heruntergeladen werden.


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